Augen auf beim Reifen-Kauf – worauf gilt es zu achten?

Reifenflanke mit Reifenbezeichnungen

Pünktlich zum nahenden Herbstbeginn möchten wir uns an dieser Stelle einmal der folgenden Frage widmen: „Ich brauche neue oder gute gebrauchte Reifen für mein Auto – worauf muss ich achten?“

Vielfach ist es gerade für Besitzer von Autos im Alter ab 5 Jahren eine der häufigsten Fragen – Was ist beim Reifenkauf zu beachten?

Vorab stellt sich natürlich immer die Frage, ob es Neuware vom Händler sein soll oder beispielsweise das Internet auf der Suche nach guten gebrauchten durchsucht wird.

Neureifen

Hier empfehlen wir ausdrücklich die aktuellen Tests der Automobilclubs oder der Fachzeitschriften. Je nach Budget lassen sich hier von Premiumreifen mit hervorragenden Leistungsdaten auch gute Allrounder oder auch sehr schlechte Reifen herauslesen.

Vorab sollten Sie sich daher einige Gedanken dazu machen, was für Sie im Vordergrund steht:

Kraftstoffersparnis, gutes Handling bei Autobahngeschwindigkeiten oder das Geräuschbild? Gerade im Preis-Mittelfeld gibt es Reifen, die in keinem Bereich Spitzenwerte bieten, aber für den Großteil der Autofahrer ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis bieten.

Haben Sie dann Ihren Favoriten ermittelt, können Sie diesen beim Reifenhändler vor Ort bestellen. Dieser nimmt Ihnen im Regelfall auch jegliches Suchen nach der passenden Größe etc. ab. Preislich gesehen ist der Reifenkauf dort vielleicht minimal teurer, erspart Ihnen aber ein langwieriges Studium auf diversen Internetseiten und auch Fehlkäufe. Weiterer Vorteil: Der Händler vor Ort wird Ihnen im Regelfall einen Komplettpreis inklusive Montage auf die Felgen nennen. So wird es finanziell keine Überraschungen geben.

Für den preisbewussten Käufer ist natürlich das Internet für die Beschaffung reizvoll und hat über die Jahre auch erheblich an Bedeutung gewonnen. Da Sie hierbei jedoch alles quasi selbst festlegen müssen, ist dieser Weg auch etwas anspruchsvoller.

Im folgenden Bild können Sie sehen, wie sich die Kennzahl eines Reifens aufbaut.

Aus der Kennung können Sie alle relevanten Angaben entnehmen:

  • – die Reifenbreite in mm
  • – die Reifenhöhe (angegeben im Verhältnis zur Breite)
  • – die Art (Diagonal- oder Radialreifen), bei aktuellen Fahrzeugen stets „R“
  • – den Felgendurchmesser, auf den der Reifen passt in Zoll
  • – den Tragfähigkeitsindex (im Kfz-Bereich relevant: ca. 70 – 110, Details dazu finden Sie aus Übersichtlichkeitsgründen hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Tragfähigkeitsindex)
  • – den Geschwindigkeitsindex (muss stets oberhalb der Fahrzeughöchstgeschwindigkeit liegen)
    • Q bis 160 km/h
    • R bis 170 km/h
    • S bis 180 km/h
    • T bis 190 km/h
    • U bis 200 km/h
    • H bis 210 km/h
    • V bis 240 km/h
    • VR >210 km/h
    • W bis 270 km/h
    • ZR >240 km/h
    • Y bis 300 km/h
  • – die Winterkennung (früher M+S, seit dem 1.1.2018 das Alpin-Symbol)
Reifenbezeichungen
Reifenbezeichnungen

Wenn Sie also exakt die bisher werksseitig auf Ihrem Fahrzeug montierte Größe kaufen, sollten Sie auf der sicheren Seite sein.

Vorsicht sollten Sie walten lassen, wenn es sich um eine Rad-/Reifenkombination aus dem Zubehör handelt, die nachträglich auf das Auto montiert wurde. Hierbei kommt es oftmals zu Abweichungen gegenüber dem Werkszustand und Sie sollten dann besser alles genau anhand der entsprechenden Unterlagen prüfen.

Bei einigen Internethändlern können Sie auch gleich die Montage mit dazu buchen, so sehen Sie einen aussagekräftigen Endpreis. Falls Sie keine Montage dazu buchen wollen, rechnen Sie mit ca. 15-20 Euro je Rad. Das ergibt sich aus der Demontage der alten Reifen, der Entsorgung von diesen sowie die Neumontage und das Auswuchten. Bei Fragen und Unsicherheiten dabei unterstützen wir Sie gerne, kontaktieren Sie uns.

Sonderthema runderneuerte Reifen

Hiervon raten wir grundsätzlich ab. Aus unserer Sicht und vielen Kilometern Erfahrungen im Wortsinne sind diese Reifen qualitativ nicht zu empfehlen.

Sind Allwetterreifen eine gute Lösung für mich?

Für den Durchschnittsfahrer mit hauptsächlich großem innerstädtischen Verkehrsanteil empfinden wir Allwetterreifen als beste Lösung – Sie sparen das Umstecken zur jeweiligen Saison und nutzen den Reifen ganzjährig. Aufgrund der bei Markenherstellern guten Ergebnisse sind die Kompromisse mit Blick auf Kraftstoffverbrauch, Bremswege etc. sehr klein und für die meisten Autofahrer belanglos. Nur für sehr leistungsstarke Fahrzeuge raten wir davon ab, da hier im Regelfall andere Betriebsbedingungen herrschen.

Gebrauchtreifen – Geld sparen, aber nur mit Vorsicht

Gerade für etwas ältere Fahrzeuge oder, wenn es möglich günstig sein soll, wird gern auf gebrauchte Reifen zurückgegriffen. Für die Reifenkennung und -abmasse gilt das oben geschriebene.

Insbesondere folgenden Punkten sollten Sie besondere Aufmerksamkeit schenken:

  • – Dem Reifenalter
  • – Der Profiltiefe
  • – Etwaigen Schäden an den Reifen

Ein gewisses Restrisiko verbleibt auch dann, weil nicht alle Arten von etwaigen Schäden äußerlich sichtbar sind. Im Zweifelsfall ist also ein Neureifen immer die bessere Wahl.

In den nächsten Abschnitten erklären wir Ihnen, an welchen Merkmalen Sie bei gebrauchten Reifen einen absoluten Fehlkauf direkt erkennen und so vermeiden können.

Das Reifenalter

An kaum etwas wird so viel gespart wie an der Wahrheit zum Reifenalter. Aussagen wie „nur 2 Jahre gelaufen“ sollten Sie kritisch hinterfragen. Gerade im Internet werden vielfach Reifen ohne jede Aussage dazu angeboten.

Als Faustformel gilt, dass ein Reifen ca. 6-8 Jahre ab Produktion nutzbar ist. Das ist insbesondere aufgrund der Alterung des Gummis geschuldet. Das Alter der Reifen können Sie ganz einfach an der sogenannten DOT-Nummer ablesen.

Am einfachsten schützen Sie sich vor überalterten Reifen, wenn Sie die konkrete DOT-Nummer auf dem Reifen ablesen oder sich ein Foto davon senden lassen. Das bitte unbedingt für jeden Reifen einzeln.

Die DOT-Nummer besagt den Produktionszeitraum in Kalenderwoche und Jahr. Sie finden sie auf der Reifenflanke, eingerahmt in einem ovalen Feld – ein paar Stellen davor steht auch im Klartext nochmal „DOT“.

Jeder Reifen, der ab dem Jahr 2000 hergestellt wurde, trägt eine vierstellige DOT-Nummer. Die ersten beiden Ziffern stehen hierbei für die Kalenderwoche der Produktion, die beiden hinteren für das Jahr.

Reifen aus den 90er Jahren werden teilweise auch noch angeboten, diese erkennen Sie an einer dreistelligen Nummer mit vorangestelltem Dreieck. Dort stehen die ersten beiden Zahlen für die Kalenderwoche der Produktion und die dritte Stelle für das konkrete Jahr der Neunziger.

Tipp: Wenn Sie also gebrauchte Reifen kaufen, achten Sie bitte darauf, dass die DOT-Nummer auf jeden Fall vierstellig ist. Sie sollte im schlechtesten Fall auf XX14 enden, im Idealfall natürlich neuer (also XX15-XX20).

Hier einige Beispiele:

Reifen aus dem Jahr 1996
Reifen aus dem Jahr 1996
Reifen aus dem Jahr 2006
Reifen aus dem Jahr 2006
Reifen aus dem Jahr 2015

Die Profiltiefe

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm. Unter Sicherheitsaspekten und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sollten Sie aber nur Gebrauchtreifen mit mindestens 5 mm kaufen.

Diese können noch durchaus einige Kilometer gefahren werden und gerade bei Winterreifen sind in alpinen Gebieten oftmals auch mindestens 4 mm gefordert (z.B. in Österreich).

Messung der Profiltiefe am Reifen
Messung der Profiltiefe am Reifen

Reifenschäden

Hier gibt es einiges, was Sie sofort sehen können.

Prüfen Sie in jedem Fall, ob eventuell Nägel, Schrauben oder ähnliches im Reifen stecken. Je nach Eindringtiefe kann das zu Undichtigkeiten führen und ist nicht immer reparabel.

Weiterhin ist ein gleichmäßiges Abnutzungsbild wichtig – sieht der Reifen beispielsweise wie im Bild aus, lassen Sie bitte die Finger davon:

Ungleich abgefahrener Reifen
Ungleich abgefahrener Reifen

Auch sehr wichtig: Eventuelle Rissbildungen. Diese können auch bei Reifen, die jünger als 6 Jahre sind, auftreten. Auch in diesem Fall lohnt ein Kauf ganz sicher nicht mehr:

Reifen rissig / porös
Reifen rissig/porös

Auch Beulen der Reifenflanke sind ein absolutes K.O.-Kriterium. Sie zeigen ein gerissenes Flankengewebe im Reifeninneren an. Solche Reifen sind definitiv lebensgefährlich im Betrieb.

Beule im Reifen
Beule im Reifen

Ebenfalls nicht kaufen sollten Sie Reifen, die Schnitte an den Flanken haben. Je nach Tiefe sind diese ebenfalls sehr gefährlich.

Schnitt in der Reifenflanke
Schnitt in der Reifenflanke

Es gibt natürlich noch weitere Schadensbilder, im Zweifelsfall kontaktieren Sie uns als Ihren Berliner Kfz-Gutachter.

Wir wünschen Ihnen eine sichere Fahrt!

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